Rund um die Pflegeversicherung

Mit den Pflegestärkungsgesetzen I & II werden deutliche Veränderungen in der sozialen Pflegeversicherung wirksam. Alle Versicherten mit anerkannter Pflegestufe profitieren bereits jetzt von einem verbesserten Leistungsangebot. Zum Januar 2017 wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und damit auch ein neues Begutachtungssystem eingeführt. Dadurch erhalten auch Demenzkranke, dauerhaft psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen alle Pflegeleistungen, die körperlich Kranken schon lange zustehen.

© Brigitte Hiss / DRK

Pflegebedürftigkeit

Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen, muss der Versicherte aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Krankheit pflegebedürftig im Sinne der Sozialen Pflegeversicherung sein. Ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, prüfen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Sie beurteilen den Hilfebedarf und ordnen den Versicherten einer der drei Pflegestufen zu, wenn eine Pflegebedürftigkeit von mehr als sechs Monaten zu erwarten ist.
Ab 2017 gilt für alle neuen Antragsteller ein neues Prüfverfahren. Statt der drei Pflegestufen werden künftig fünf Pflegegrade unterschieden. Im Mittelpunkt steht dabei die vorhandene Selbstständigkeit des Antragstellers. Bislang zählte in erster Linie der körperliche Unterstützungsbedarf, wodurch jedoch insbesondere viele demenzkranke Pflegebedürftige benachteiligt wurden. Bereits anerkannte Pflegestufen werden automatisch in die neuen Pflegegrade umgewandelt. Eine erneute Begutachtung findet nicht statt.

Leistungen der Pflegeversicherung

Entsprechend der Pflegestufe übernehmen die Pflegekassen die Kosten für ambulante und teilstationäre Pflege, Kurzzeitpflege oder eine andauernde Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung. Es werden Pflegegeld oder Pflegesachleistungen gewährt. Beides kann auch kombiniert werden.

Pflegegeld

Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause von Angehörigen, Bekannten oder ehrenamtlich tätigen Pflegepersonen gepflegt, hat er Anspruch auf Pflegegeld. Über das Pflegegeld kann der Versicherte frei verfügen und kann es z.B. an seine Angehörigen weiterleiten.

Pflegesachleistungen

Wird ein professioneller Pflegedienst für die ambulante Pflege in Anspruch genommen, übernimmt die Pflegekasse die entstehenden Kosten gemäß der Pflegestufe bis zu einer bestimmten Höchstsumme.

Weitere Leistungen der Pflegekassen

Bei Bedarf erstattet die Pflegekasse die Kosten für bestimmte Hilfsmittel, wie Gehhilfen oder Rollstühle. Für Pflegehilfsmittel oder einen Hausnotruf gibt es monatliche Zuschüsse. Die altersgerechte Wohnungsanpassung wird mit einmalig bis zu 4.000 € gefördert.

Seit 2015 haben alle Pflegebedürftigen einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsangebote. Dazu stehen monatlich bis zu 104 € zur Verfügung, bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz 208 €. Pflegedienste können solche über die Grundpflege hinausgehenden Leistungen wie allgemeine Anleitung, Betreuung oder hauswirtschaftliche Unterstützung anbieten.
Die sogenannten niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote werden meist von geschulten Helfern und Helferinnen durchgeführt, die über Vereine, Agenturen oder andere anerkannte Anbieter vermittelt werden. Die Angebote sind vielfältig und sollen auch die Angehörigen entlasten. Sie reichen von der stundenweisen Betreuung über Alltagsbegleiter bis zum betreuten Reisen.

Um die Kosten erstattet zu bekommen, muss ein Antrag bei der Pflegekasse ge-stellt und die Rechnungen eines anerkannten Leistungserbringers vorgelegt werden. Werden Pflegesachleistungen nicht in voller Höhe in Anspruch genommen, können bis zu 40 % des Betrages für Betreuungs- und Entlastungsangebote genutzt werden. Restbeträge können übrigens in das darauffolgende Kalenderhalbjahr übertragen werden.

Lassen Sie sich dazu bei Ihrer Pflegekasse oder im Pflegestützpunkt beraten.